«Wir haben einen Rekordumsatz und einen Rekordgewinn eingefahren», betonte Finanzchef Peter Klein am Donnerstag nach US-Börsenschluss in Redmond (US-Bundesstaat Washington). Der Gewinn wurde auch durch Sparmaßnahmen beflügelt.
Mit den Zahlen übertraf Microsoft die Erwartungen der Analysten. «Ein schönes Quartal», urteilte ein Experte. Die Aktie stieg nachbörslich allerdings nur um knapp ein Prozent. Die schwache Auswirkung auf das Papier habe daran gelegen, dass die Investoren den Schwung für das Geschäft durch Windows 7 bereits erwartet hätten, sagte Todd Lowenstein, Anlageverwalter bei Highmark Capital Management, der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.
Microsoft hatte Windows 7 Ende Oktober auf den Markt gebracht - gerade noch rechtzeitig für das wichtige Weihnachtsgeschäft. «Wir sind begeistert von dem Zuspruch der Verbraucher zu Windows 7», jubelte der für das Tagesgeschäft zuständige Manager Kevin Turner. Insgesamt stieg der Umsatz mit Windows im Vergleich zum Quartal ein Jahr zuvor um 70 Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar. Den größten Aufwind erhielt das Geschäft durch die starke Nachfrage der privaten Verbraucher, die Unternehmens-Kunden hielten sich noch weitgehend zurück. «Wir sehen derzeit noch keine Erholung im Unternehmens- Bereich», wurde Klein von Bloomberg zitiert. Noch sei unklar, wann sich die Situation wieder entspannen werde.
Viele Unternehmen hatten im vergangenen Krisenjahr die IT-Investitionen drastisch zusammengestrichen. Es wird damit gerechnet, dass diese Investitionen bald nachgeholt werden müssten.
Im zweiten Geschäftsquartal verkaufte der Konzern 60 Millionen Lizenzen. Kein anderes Betriebssystem sei jemals so gut gestartet, merkte Microsoft an. Der Vorgänger Vista war bei den Kunden durchgefallen, auf vielen Rechnern läuft bis heute das bereits 2001 herausgebrachte Windows XP - in der Computerwelt eine Ewigkeit. Bis 2014 unterstützt Microsoft den Oldtimer noch, etwa mit Sicherheitsupdates.
Windows steuerte im Quartal rund ein Drittel zum Umsatz bei und zwei Drittel zum Gewinn. Das zweite große Standbein, die Firmen- Software, folgte mit deutlichem Abstand. Das Geschäft sei noch nicht wieder angesprungen, sagte Finanzchef Klein. Microsoft bietet unter anderem kaufmännische Programme für Mittelständler an und konkurriert hier mit Oracle oder SAP. Zur Firmen-Software zählt auch das bekannte Office-Paket; viele Nutzer greifen inzwischen lieber zum kostenlosen Open Office.
Der Umsatz mit der Spielekonsole Xbox ging von 3,2 auf 2,9 Milliarden Dollar zurück, das High-Tech-Spielzeug warf aber deutlich mehr Gewinn ab als ein Jahr zuvor, auch mit Server-Software verdiente Microsoft mehr Geld. Im Online-Geschäft rutschte das Unternehmen indes noch tiefer in die Verlustzone. Ein Bündnis mit dem Internet- Konzern Yahoo bei der Vermarktung von Suchmaschinen-Anzeigen soll die Wende bringen. Microsoft tritt mit seiner eigenen Suchmaschine Bing gegen den Branchenprimus Google an.
Microsoft beherrscht mit seinem Windows den Markt für Betriebssysteme mit einem Anteil von weltweit gut 95 Prozent. Der Konzern versucht aber immer wieder, in neue Geschäftsfelder vorzustoßen. Damit kämpft das Unternehmen an vielen Fronten gleichzeitig. Auch im Handy-Geschäft ist Microsoft mit einer Windows-Variante vertreten, hält jedoch nur einen relativ kleinen Marktanteil.